Wenn wa schon ma in Balin sind

Letztes Wochenende, extra ein verlängertes in die Welt gesetzt, um einerseits an einem eintägigen Kongress teilzunehmen und andererseits einen ganzen Tag in Berlin zu haben, neben den beiden Reisetagen. Der Kongress (#kgw17) war super, die beiden Reisetage auch (soweit solche Tage super sein können), bleibt der freie, ganze Hauptstadttag. Der war eher so mittel.

Die wunderbare Gattin hatte sich schon lange mal gewünscht mit der S1 quer durch die Stadt zu sausen, vom Wannsee bis nach Oranienburg. Daneben wollten wir unterwegs in Frohnau aussteigen, ein Viertel in Reinickendorf, das vor gut einhundert Jahren als Gartenstadt nach englischem Vorbild errichtet worden war. Soweit der Plan.

Morgens waren wir vom Hotel losgebummelt, erst einmal zum Frühstück, das Café war in der Gegend Tieck-, Schröderstraße, von da war es gar nicht weit zum S-Bahnhof Oranienburger Straße. Zuerst kam ein Zug Richtung Oranienburg, also los. Wir stiegen gleich auf der Hinfahrt in Frohnau aus und schlenderten um den Ludolfinger- und den Zeltinger Platz, mit ein paar kurzen Abstechern in die abzweigenden Straßen. Wir fanden es beide nicht überwältigend,  aber doch ganz interessant, irgendwie schön grün, ruhig, fast ein wenig mit „Inselfeeling“.

Also auf, weiter nach Oranienburg! Denkste! Kaum zurück auf dem Bahnsteig ertönte die Durchsage „Wegen einer Weichenstörung… … auf unbestimmte Zeit“. O.k., scheiß auf Oranienburg, fahren wir eben gleich in die andere Richtung weiter, ab zum Wannsee. Durch die Weichenstörung verzögerte sich auch diese Abfahrt ziemlich lange, obwohl ein leerer Zug bereitstand.

Endlich ging es los, um am Rathaus Spandau erneut jäh zu enden. „Wegen umgestürzter Bäume ist die Strecke bis auf weiteres…“. Wir waren jetzt irgendwo zwischen traurig und angepisst und beschlossen zur Erhellung der Gemütslage im KDW im sechsten Stock an einer der zahlreichen Imbisstheken eine kleine Leckerei zu uns zu nehmen. Eine schlechte Idee; für eine sehr übersichtliche Käseplatte 22,50 € zu bezahlen und dafür einen Stehplatz mit der Fläche eines DIN A4 Blattes zugewiesen bekommen war nun gar nicht nach unserem Geschmack. Draussen blies der Wind mittlerweile richtig heftig, der umherfliegende Staub war für meine kaputten Augen ein zusätzliches Highlight, der Hunger war größer jetzt, der Frust auch.

Wir beschlossen uns auf den Weg zurück zum Hotel zu machen und stiegen unterwegs aus der U-Bahn schon an der Klosterstraße aus, weil wir meinten, uns von einem früheren Berlinaufenthalt daran erinnern zu können, dass es dort einen ganz netten Imbiss gab. Entweder gab es ihn aber nicht mehr, oder es hatte ihn dort noch nie gegeben, jedenfalls hätten wir genausogut in der Bahn bleiben können.

So aber gelangten wir per pedes in die Nähe vom Alex und fielen dort in so einen Jetztzeit Mäcki namens Dean & David und aßen dort ein wenig überteuertes Grünzeug mit Schnickschnack.

Der Rest ist schnell erzählt; zurück ins Hotel, Nickerchen, abends in einen hässlich lauten Italiener gleich ein paar Schritte vom Hotel, der aber ein erstaunlich gutes Essen auftischte. Absacker (mehrere) in der Hotelbar.

Ob wir nächstes Mal Oranienburg und / oder den Wannsee erreichen werden? Wir wissen es nicht.

Im Wald und auf der Weide

Weidemilch, das steht ja jetzt oft auf den Tetrapacks. Was muss ich mir darunter vorstellen? Braucht man keine Kuh mehr und die Weide macht die Milch gleich selber? Soll man sich im Anblick der Milch weiden, ist ihr Weiß so schön? Hat die Kuh schon einmal aus der Ferne eine Weide gesehen, oder hat man ihr im Massentierhaltungsstall wenigstens mal ein Foto davon gezeigt? Oder ist die Kuh mit Heu von der Weide gefüttert worden und nicht nur mit hochenergetischer Presspappe?

Letzteres kommt der Sache schon näher, die Kühe sollen möglichst viel Zeit auf der Weide verbringen und „echtes“ Grünzeug mampfen. Das wäre an sich ein guter Beitrag zu Tierwohl und Gesundheit, denn die Milch von Kühen, die viel Grünfutter auf einer Weide zu sich nehmen ist gesünder. Das ist bewiesen. Die Sache hat in Deutschland (z.B. im Gegensatz zu Österreich) aber einen Haken: es gibt keinen Standard und kein Siegel, also ist „Weidemilch“ irgendwas zwischen „nicht nachvollziehbar“ und „Marketinggag“. Der Verbraucher steht also weidemilchtechnisch im Wald.

Hoffentlich wird ja bald noch nachgebessert und die Weidemilchkriterien werden eine Augenweide.

Neoliberale Magersucht

Das ist meine Diagnose dafür was die Politik in den letzten Jahren im Staat, unserem Gemeinwesen, angerichtet hat. Magersucht, die aus Sparwut und Effizienzstreben besteht und an renditeähnlichen Ergebnisvorstellungen für die staatliche Haushaltswirtschaft orientiert ist. Dazu kommt Uneinsichtigkeit, Absicht oder Böswilligkeit im politischen Handeln, das kann ich nicht abschließend beurteilen.

Da kann man an vielen Ecken anfangen zu jammern, zu schimpfen, zu zweifeln, um schlussendlich zu verzweifeln. Dass Steuerüberschüsse kaum „ausgeschüttet“ werden, sondern alte Schulden getilgt werden, wo doch der Staat derzeit für 0% Zins umschulden könnte, dass statt maroder Schulen die Finanzwirtschaft gerettet werden muss und angeblich wir alle davon „profitieren“, dass wir aber gleichzeitig auf die kommende Altersarmut vorbereitet werden. Schönen Dank auch!

Unsere Heimat wird geschunden und das Heimatgefühl geht dabei verloren. Heimat, ja diesen Begriff benutze ich absichtlich. Heimat ist per se nichts schlechtes; Menschen sehnen sich nach Heimat, Menschen identifizieren sich mit ihrer Heimat, jeder Mensch kann viele Heimaten haben. In der Gemeinde, in der Kunst, im Kosmos, in einer Region, auf der Welt, in der Familie, im Glauben, in der EU, in einer Partei oder im Verein. Eine Heimat, die viele Menschen gemeinsam empfinden ist nun mal auch ein Staat. Dort fühlt man sich im besten Fall gut aufgehoben, beschützt, die Dinge sind zumindest grob nachvollziehbar, die Welt ist halbwegs in Ordnung, der Staat präsent ohne allzusehr das „normale“ Leben zu überfrachten. Schön ist auch, wenn man nach einer Wahl das Gefühl hat, die Gewählten versuchen im Lauf der Zeit das umzusetzen was sie sich als Ziele im Wahlkampf gesteckt hatten.

Das war in Deutschland einmal so, aber das hat die Politik über lange Jahre hinweg an die Wand gefahren. Ohne Not. Ich habe den Heimatbegriff gewählt, weil er jetzt unwidersprochen von Nazis für völlig abstruse, kriminelle und staatsgefährdende Dinge missbraucht werden darf. Weil die Diskussion um Flüchtlinge und Asyl, die besorgten Bürger, die Brandanschläge, die ganze verblödete Ideologie niemals wieder zum Leben erweckt worden wäre, ohne neoliberale Bereicherung der Konzerne und Millionäre und ihre Verlogenheit. Alles zu Lasten der Bürger. Und nicht vergessen: Der Staat, das sind die Bürger, also wir alle. Es täte den Regierenden gut alle paar Tage mal an diesen Sachverhalt zu denken und nicht nur alle vier Jahre vorzugeben, dass man das so macht. Die Menschen merken so etwas. Tatsächlich. Und sie haben die Schnauze voll von Widerwärtigkeiten, wie dem jüngsten „Schulterschluss“ der Unionsparteien. Nicht etwa eine abgehalfterte Provinzpolitikerin schleimt sich wieder mit einem Ekelpaket zusammen, das ihr monatelang die fiesesten Gemeinheiten reingedrückt hat, sondern die Bundeskanzlerin und der bayerische Ministerpräsident. Für ein paar Prozente mehr vielleicht, für eine vage Hoffnung auf den Machterhalt. Wo seid ihr, wisst ihr das noch? Dschungelcamp ist kaum schlechter.

Ein Stück Heimat war auch der so gerne belächelte Beamte. „Wer nix wird und wer nix kann, der geht zu Post und Eisenbahn.“ Einer der gängigen Spottreime aus lange vergangenen Jahrzehnten. Im Gegensatz zu heute hat der Laden damals noch funktioniert, war nicht privatisiert, war an jeder Ecke verfügbar, man bekam vergleichsweise kompetente Auskunft und die ganze bunte Verpackung mit fehlendem Inhalt hatte man sich komplett gespart.

Wie oft steht man an einem mühsam in einen Schreibwarenladen eingezwängten Postschalter und ärgert sich schwarz, weil eine endlose Schlange von einem einsamen Menschen abgearbeitet wird, der bei komplizierteren Geschäftsvorfällen heillos überfordert ist und erst einmal telefonieren muss. Wieviele Bahnstrecken hat man stillgelegt, oder zu eingleisigen Strecken umgebaut, wieviel Chance auf guten ÖPNV in abgelegeneren Gegenden hat man ruiniert, wieviel Landflucht damit geschaffen.

Wie soll die Polizei ihre Aufgaben gut erledigen, wenn tausende Stellen gestrichen wurden. Wie soll ein Richter durchhalten mit einem gewaltigen Berg von Altfällen, weil er viel zu wenige Kollegen hat. Wie soll ein Richter nicht total verzweifeln, wenn er schon vorher weiß, dass er diese oder jene Straftat zwar verurteilen kann, aber der Straftäter auf freien Fuß gesetzt wird, weil Gefängnisse verfallen und keine Zellen mehr frei sind.

Wie soll ein Staat überleben, der Gesetzesentwürfe und Expertisen von global handelnden Wirtschafts- und Rechtsberatungskonzernen wie PWC oder KPMG anfertigen lässt, weil er selbst nicht mehr ausreichend Kapazität an entsprechend qualifiziertem Personal besitzt, um diese Aufgaben in Eigenregie schnell und gut selbst zu erledigen. Firmen deren Mitarbeiter gleichzeitig mit Hausausweisen ausgestattet als Lobbyisten im Bundestag ein- und ausgehen?

Funktionierende staatliche Institutionen, das ist so ein elementarer Baustein mit dem die Menschen zum Staat ein Heimatgefühl entwickeln. Einer von recht wenigen umfassend beeinflussbaren Bausteinen.

Wie kann man glauben, dass man so handeln kann, die Menschen derart verarschen und im Regen stehen lassen kann, ohne dass dieses Verhalten einmal schädliche Folgen zeitigt. Auf jeder Zigarettenpackung sind mittlerweile grausame Bilder aufgedruckt, um vor den Folgen des Tabakkonsums zu warnen. Ähnliche Hinweisschilder können sich die SitzplatzinhaberInnen von der Regierungsbank jetzt auf jeden Aktendeckel kleben, um sich vor den Folgen dieser Hungerkur und der staatlichen Mangelernährung zu warnen.

Neoliberale Magersucht. Der Staat liegt vielleicht schon im Sterben. Nachher will es wieder keiner gewesen sein.

Kein Zeitgeist

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes die NPD nicht zu verbieten ist in meinen Augen richtig. In einer kurzen Liste will ich notieren warum ich zu dieser Überzeugung gelangt bin.

  • Verbot oder nicht, die Faschisten generieren in jedem Fall ihre Helden; jetzt werden diejenigen Mitglieder bzw. Anwälte, die die Partei vor Gericht vetreten haben als „Sieger“ gefeiert, im Falle eines Verbots wären sie für die Nazis eben zu einer Art „Märtyrer“ geworden.
  • Die Partei ist vom BVerfG ganz klar mit dem Stempel der „Wesensverwandschaft  mit dem Nationalsozialismus“ versehen worden, sie aber als so unbedeutend zu deklarieren, dass sie nicht einmal verboten zu werden braucht, ist aber doch ein klares Statement.
  • Dafür wurde eine Türe geöffnet, um die NPD finanziell langsam ausbluten zu lassen. Eine Partei mit einer Charakterisierung, wie sie nun durch das BVerfG vorgenommen wurde, darf von der staatlichen Wahlkampfkostenerstattung ausgeschlossen werden. Dazu muss der Bundestag nur noch ein einfaches Gesetz beschließen.
  • Die Mitglieder und das Führungspersonal werden weitermachen und damit nicht so leicht anderen Parteien, Gruppierungen und Untergrundorganisationen zugeführt.
  • Die Kontrolle durch die Geheimdienste wird dadurch erleichtert, „Schläfer“ können jetzt „geweckt“ werden da zunächst ja, wegen des gescheiterten ersten Verfahrens, alle Geheimdienstaktivitäten beendet werden mussten.
  • Es gibt durch dieses gesamte Verfahren einen Maßstab und einen Handlungsrahmen wie ggf. mit anderen, rechtsextremen Parteien wie „Die Republikaner“, „Die Rechte“und „Der III. Weg“ in einem ersten Schritt umgegangen werden kann.

Ich finde wir können uns etwas einbilden auf unser Verfassungsgericht. Es hat erneut in hervorragender Weise seinen Auftrag erfüllt und ist jeder Versuchung die aktuellen Erscheinungen des Zeitgeistes und der gesellschaftlichen Befindlichkeiten in seine Erwägungen einzubeziehen ferngeblieben.

Protokoll zu Sonntag, 15.01.17

  • Kaffee im Bett
  • Versuch der äußerlichen Instandsetzung
  • Schneeräumen bei der Schwiegermutter (92)
  • Streiten mit und wegen des bezahlten Winterdienstes bei der Schwiegerma
  • Frühstück
  • Besuch bei der Schwiegermutter, große Sorgen, es geht ihr schlecht zur Zeit
  • Schneeräumen bei uns
  • Autoscheiben freikratzen
  • Gespräch mit der Schwägerin und dem Neffen wegen der schlechten Gesundheit der Schwiegerma
  • Fahrt mit der Gattin nach Downtown, um gemeinsam Frustbewältigungskartoffelspalten mit fettigem Majodip zu verschlingen
  • Spaziergang
  • Heimfahrt, anschließendes Druckerrumgebastel
  • Jetzt gleich: Abendessen mit anschließender, aktiver Couchversumpfung gemeinsam mit der Liebsten.

Der Himmel war den ganzen Tag blau.

Die Kunst des Ausdrucks

Heute war ein wenig mehr Schriftwechsel zu erledigen, also nahm ich nicht den Tintenstrahldrucker, sondern schickte den alten Laserdrucker zum Warmlaufen. Nach getaner Arbeit befahl ich besagtem Drucker den ersten Brief aufs Papier zu bringen. Keine Regung, einfach nix. Die Lämpchen leuchteten still vor sich hin, als ob alles in bester Ordnung wäre. Der Rechner tat keinen Mucks, ihm schien der Stand der Dinge zu gefallen. Ein Blick in den Papierschacht zeigte einen perfekt sitzenden Blattvorrat von mindestens 30 Stück.

Ein weiterer Druckauftrag brachte kein anderes Ergebnis. Ich betätigte die Tastenkombination, die den Ausdruck einer Testseite veranlasst, das Ergebnis konnte sich sehen lassen.

Da der Rechner bis vor wenigen Wochen mit einem anderen Betriebssystem rechnete, fing ich an in den Systemeinstellungen zu graben, jedoch ergab sich auch hier kein Grund für dieses ärgerliche Fehlverhalten.

Da heute nun wirklich einige Briefe zum Postkasten sollten, bevor jener geleert wird, nahm ich letztlich doch den anderen Drucker und verschob die Fehlersuche auf morgen. Der erledigte klaglos seinen Job.

Gerade eben zurückgekehrt, wollte ich noch kurz etwas in diesem Internet nachsehen, da wurde ich vom Anblick eines verwaisten USB Kabels überrascht. Es war das lose Ende… na ja, Sie wissen schon.

Ich denke über eine Selbstdegradierung nach. So geht das ja nicht.